Übersicht unserer Dozent:innen
Dozent:innen A-Z
Thomas Freiberger
Kurse (7)
Loading...
Wahnsinn mit Methode: Nixons "Madman"-Strategie im Vietnamkrieg 1969
Das Jahr 1968 gilt innen- und außenpolitisch als eines der turbulentesten Jahre in der US-Geschichte. Als Richard Nixon inmitten dieses Tumultjahres als republikanischer Präsidentschaftskandidat antrat, versprach er den Wählern, er habe einen „geheimen Plan“ zur Beendigung“ des Vietnamkrieges. Tatsächlich hatte sich Nixon vorgenommen, den Vietnamkrieg noch in seinem ersten Amtsjahr zu beenden. Zu diesem Zweck entwickelte er während des Wahlkampfs die sogenannte „Madman-Theorie“, deren Kernelemente er nach dem Amtsantritt zusammen mit seinem Nationalen Sicherheitsberater Henry Kissinger umsetzte. Was dann unter strengster Geheimhaltung geschah, wird Thema des Vortrags sein. Die „Madman-Theorie“ ist auch deshalb so interessant, weil Präsident Donald Trump diesen Ansatz aktuell nachahmt. Warum die Anwendung der „Madman-Theorie“ weder unter Nixon noch unter Trump erfolgreich war, wird ebenfalls beleuchtet werden. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe: Außenpolitische Desaster und was wir aus ihnen lernen können.
125 Jahre Aurel Billstein - Widerstandskämpfer und Geschichtsforscher
„Zuweilen lässt es sich die Vergangenheit nicht gefallen, in Vergessenheit zu geraten. Es ist die eigene Vergangenheit selbst, die einem in die Rippen stößt und sagt: Ich bin noch nicht erledigt.“
(Aurel Billstein, 29.9.1901 – 12.2.1996)
Aurel Billstein, gelernter Schlosser, Gewerkschafter, Mitglied der KPD, Krefelder Stadtverordneter und Kandidat zum Preußischen Landtag, gab nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Januar 1933 wie kein Zweiter dem antifaschistischen Widerstand in Krefeld Gesicht und Stimme. Er überlebte Konzentrationslager, Zuchthaus und Strafbataillon, kehrte nach Krefeld zurück und nahm in der jungen Bundesrepublik sein gewerkschaftliches und politisches Engagement wieder auf. Zur Berufung wurde für Aurel Billstein die Aufarbeitung und Dokumentation der lokalen und regionalen NS-Geschichte. Neben seiner umfangreichsten Publikation Der eine fällt, die andern rücken nach. Dokumente des Widerstandes und der Verfolgung in Krefeld 1933-1945 verfasste er zahlreiche akribisch recherchierte Einzelstudien. Die NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld in der Villa Merländer entstand auf seine Initiative. Die Stadt Krefeld verlieh ihm das Stadtsiegel und die Ehrenbürgerschaft, 1991 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Die seit 1996 bestehende Gewerkschaftliche Geschichtswerkstatt Aurel Billstein bei der IG Metall Krefeld ist dem Andenken Aurel Billsteins, vor allem aber der Fortführung seines Lebenswerks verpflichtet. So wird auch die Veranstaltung zu seinem 125. Geburtstag von der Aurel Billstein Geschichtswerkstatt ausgerichtet, unterstützt von der Villa Merländer und der VHS Krefeld als ihren Kooperationspartnern. Ganz im Sinne des Jubilars soll dabei im Miteinander von historischem Rückblick und aktuellem Podiumsgespräch die Frage nach Bedeutung, Aufgabe und zeitgemäßen Formen des Erinnerns im Mittelpunkt stehen – auch und gerade vor dem Hintergrund gegenwärtiger politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen.
Accidentally in War: Ronald Reagan, das "Reich des Bösen" und das NATO-Manöver "Able Archer 83"
Nach neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen stand die Welt im November 1983 wohl am Rande eines Atomkrieges. Die Ironie des Ganzen bestand darin, dass die amerikanischen Geheimdienste über sieben Jahre lang die Kriegsgefahr in jenem November vollkommen unterschätzt und heruntergespielt hatten. Im Jahr 1990 stellte eine von Präsident Bush einberufene Untersuchungskommission in einem hochgeheimen Bericht jedoch fest, dass man im Jahr 1983 – ähnlich wie in der Kubakrise – gefährlich nah am nuklearen Abgrund stand. Auslöser für diese nukleare Krise war das NATO-Herbstmanöver „Able Archer 83“ gewesen. Die tieferen Ursachen dieser Krise waren jedoch in vielen einzelnen Faktoren zu suchen, die im Zusammenspiel die weltpolitischen Spannungen zwischen den USA und der UdSSR im Jahr 1983 auf die Spitze trieben. Was im Krisenjahr 1983 geschah, warum es so geschah, und was wir aus dieser Krise lernen können, steht im Zentrum des Abendvortrags.
Podiums- und Publikumsdiskussion Freiberger - Gilad - Feldmann: Der große Pogrom, die „Kristallnacht“ in Krefeld
Michael Gilad, ehemaliger Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Krefeld und Experte für die Geschichte des Krefelder Judentums, im Gespräch mit Dr. Thomas Freiberger und Irene Feldmann
Das Podiumsgespräch zwischen Michael Gilad, VHS-Direktor Dr. Thomas Freiberger und der Historikerin Irene Feldmann basiert auf einer der ersten Dokumentationen, die der Krefelder Widerstandskämpfer und Geschichtsforscher Aurel Billstein verfasst hat. Sie erschien Anfang der 70er Jahre in inzwischen längst vergriffener, preiswerter Paperback-Ausgabe, deren Titelblatt Aurel Billsteins Leitsatz verkündet: „Den Toten in ehrendem Angedenken, den Lebenden zur Mahnung!“ Dieser frühen Schrift folgten zahlreiche weitere grundlegende Publikationen zu Verfolgung und Widerstand in Krefeld und am Niederrhein während der NS-Zeit. Von Beginn an arbeitete Aurel Billstein eng mit der VVN-BdA und der damaligen Krefelder Jüdischen Gemeinde zusammen. Das Podiumsgespräch mit anschließender Publikumsdiskussion bildet zugleich den Schlusspunkt der Veranstaltungsfolge zu Aurel Billsteins 125. Geburtstag am 29. September 2026, die unter dem Dach der VHS Krefeld stattfindet. Und es versteht sich nicht zuletzt als Beitrag dreier Krefelder Institutionen (Michael Gilad ist durchaus als solche zu bezeichnen) zum diesjährigen Gedenken an die Reichspogromnacht am 9. November 1938.
Film "Human Forever"
Der Dokumentarfim des Filmemachers Jonathan de Jong und des humanitären Aktivisten Teun Toebes wirft einen eindrucksvollen Blick auf den menschlichen Umgang mit Demenz. Teun ist erst 24 Jahre alt, kerngesund – lebt aber freiwillig im Pflegeheim und zwar in einem Wohnbereich für Menschen mit Demenz. Für den jungen Niederländer, selbst ausgebildeter Krankenpfleger, ist diese Wahl des Wohnorts eine Art teilnehmende Beobachtung. Drei Jahre lang reiste Teun an diverse Orte, um Menschen mit Demenz auf derganzen Welt zu begegnen. Er wollte herausfinden, wie sie leben, was sie brauchen und vor allem wie man ihnen auf Augenhöhe begegnen kann.Seine Devise lautet: „Human Forever“.
Aufgrund beschränkter Plätze ist eine Anmeldung erforderlich.
Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus
Erst in den letzten Jahren hat sich die historische Forschung intensiver mit der Thematik des weiblichen Widerstands während der NS-Zeit beschäftigt. Publikationen existieren etwa zu solch prominenten Gestalten wie Sophie Scholl, Hilde Coppi oder Elise Hampel, zu den Frauen aus dem Umfeld des Kreisauer Kreises und der Attentäter des 20. Juli 1944 wie Annedore Leber, Freya von Moltke oder Nina von Stauffenberg. Auch diverse Websites haben sich inzwischen des Themas angenommen, u.a. verantwortet von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Zu einigen der genannten Protagonistinnen wird der Vortrag ein biographisches Stichwort liefern. Im Vordergrund sollen jedoch Krefelder Frauen in Opposition und Widerstand gegen den Nationalsozialismus stehen – allen voran Paula Billstein als Frontfrau des kommunistischen Widerstands in Krefeld und die Krefelder Judenhelferin Anna Tervoort, eine der wenigen Deutschen, die als Gerechte unter den Völkern in der Internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem verewigt ist. Zu diskutieren bleibt schließlich die Frage, ob es ein spezifisch weibliches Aufbegehren gegen das NS-Regime gegeben hat – mit einem Wort: Leisteten Frauen anders Widerstand als Männer, aus anderen Motiven, mit anderen Mitteln, mit anderen Zielen und Konsequenzen?