Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit und Zukunft
Saul Padovers „Experiment in Germany“ in der Übersetzung von Aurel Billstein
Als der Zweite Weltkrieg, geplant und ausgelöst durch das nationalsozialistische Deutschland, im Frühjahr 1945 zu Ende ging, befand sich auch der Niederrhein im Niemandsland zwischen dem Untergang der Diktatur und einer ungewissen Zukunft. In den Reihen der amerikanischen Truppen, die von Westen anrückten und Anfang März 1945 auch Krefeld einnahmen, befanden sich Nachrichtendienstoffiziere, deren Aufgabe es war, Lageberichte und Stimmungsbilder aus den okkupierten Gebieten zu liefern. Einer dieser Offiziere war Saul Padover, jüdischer Herkunft und ausgebildeter Historiker. Die Ergebnisse seiner Befragungen und Gespräche fasste er in der 1946 erschienenen Publikation „Experiment in Germany. The Story of an American Intelligence Officer“ zusammen. Eine gekürzte deutsche Übersetzung erschien erst 1999 unter dem Titel „Lügendetektor. Vernehmungen im besiegten Deutschland 1944/45“, eine Neuausgabe wurde 2001 veröffentlicht. In den Akten des Stadtarchivs Krefeld findet sich jedoch eine frühe Teilübersetzung des Padover-Textes, und zwar jener Passagen, die die Region Krefeld und das Verhalten ihrer Bevölkerung beschreiben. Diese Übertragung stammt von dem Krefelder Widerstandskämpfer Aurel Billstein, der als Gewerkschafter und KPD-Mitglied selbst Verfolgter des NS-Regimes war und nach seiner Rückkehr aus Haft, Lager und militärischem Zwangsdienst Verfolgung und Widerstand in Krefeld und am Niederrhein zwischen 1933 und 1945 umfassend dokumentiert hat. Der Vortrag stellt beide Autoren und ihre Berührungspunkte vor und lässt auch die von Padover Interviewten erneut zu Wort kommen. Er versteht sich damit auch als Diskussionsbeitrag zum gerade heute wieder aktuellen und auch künftig unverzichtbaren Thema Vergangenheitsbewältigung.
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