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Thomas Freiberger
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"Günstige Gelegenheiten" als Grabstätten staatsmännischer Klugheit: Die Suezkrise 1956
Die Suezkrise im Jahr 1956 gilt als die schwerste Nahostkrise in den 1950er Jahren des Kalten Krieges. Nicht nur das. Von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt, brachte sie die NATO an den Rand des Zusammenbruchs und sie veränderte die Machtstrukturen im Nahen Osten für alle Zeiten. Bemerkenswert ist dieses außenpolitische Desaster vor allem deshalb, weil sich diese Krise inmitten der wohl erfahrensten Riege außenpolitischer Staatsmänner der Nachkriegszeit abspielte. Am Beispiel der Suezkrise lässt sich studieren, was passiert, wenn außenpolitische Entscheidungsträger der Versuchung erliegen, komplexe Probleme mit Gewalt zu lösen, weil sie eine „günstige Gelegenheit“ wittern und alle Bedenken in den Wind schlagen.
"One hell of a gamble": Kennedy, Chruschtschow, Castro und die Kubakrise 1962
Während der Kubakrise im Jahr 1962 hielt die ganze Welt den Atem an. In jenen 13 Oktobertagen stand die Welt kurz vor einem Atomkrieg. Weder Kennedy noch Chruschtschow haben diese Konfrontation gewollt und dennoch haben sich beide in dieses außenpolitische Desaster hineinmanövriert. Gegenseitige Fehlwahrnehmungen, falsche Rückschlüsse aus erlebter Geschichte, übersteigerte Rhetorik und letztlich die Neigung, komplexe weltpolitische Probleme auf eine Frage der persönlichen Ehre zur reduzieren, ergaben eine hochexplosive Mischung. Angesichts der Tatsache, dass Fidel Castro die UdSSR auf dem Höhepunkt der Krise zum Nuklearschlag gegen die USA aufforderte und zahlreicher weiterer unvorhergesehenen Zwischenfälle, können wir heute von Glück reden, dass die große Katastrophe ausblieb.
Zur weltpolitischen Lage mit Heussen und Freiberger: Brauchen wir in einer Welt des Überflusses neue weltpolitische Spielregeln und Institutionen?
Für viele Menschen steht seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine und der Wiederwahl Donald Trumps das gewohnte Weltbild Kopf. Von einer neuen „Weltunordnung“ (Carlo Masala) und einer „Zeitenwende“ (Olaf Scholz) ist die Rede. Deutschland muss wieder „kriegstüchtig“ (Boris Pistorius) werden und das einstige europäische Erfolgsprojekt, die EU, droht zwischen den Mühlen rechtextremer Kräfte zerrieben zu werden. Auf die einstige Schutzmacht der freien Welt ist kein Verlass mehr, weil sich ein Großteil der Amerikaner nicht mehr für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit interessiert. Wir erleben gerade die Rückkehr imperialistischen Großmachtgehabes. Dieser Rückfall in archaische Handlungsmuster überdeckt in der öffentlichen Debatte jedoch viel tiefgreifendere tektonischen Verschiebungen in der Staatenwelt. Der amerikanische Diplomatiehistoriker Francis J. Gavin, hat diese Verschiebungen in seinem Buch „The Taming of Scarcity and the Problems of Plenty: Rethinking International Relations and American Grand Strategy in A New Era“, skizziert. Heussen, der weltbewanderte ARD-Korrespondenz, und Freiberger, der leidenschaftliche Diplomatiehistoriker, wollen die Thesen des Buches mit Ihnen diskutieren.
„A House of Dynamite?“ – Über die Ambivalenzen nuklearer Abschreckung
Eine Kooperation mit dem Krefelder Friedensbündnis
Seit Oktober 2025 ist das hochkarätig besetzte Netflix-Drama „A House of Dynamite“ in aller Munde. In diesem minutiös recherchierten Film lässt Oskar-Regisseurin Kathryn Bigelow die militärischen und politischen Entscheidungsträger in der U.S.-Regierung eine fiktive Nuklearkrise durchlaufen. Schonungslos werden dem Zuschauer die großen Dilemmata der nuklearen Abschreckung vor Augen geführt. Und tatsächlich sind die historischen Lehren und die Logiken der nuklearen Abschreckung keineswegs so eindeutig, wie es einem die sicherheitspolitischen Experten und Politiker gerne weismachen wollen. Darum soll es in diesem Vortrag gehen. Dr. Thomas Freiberger ist ausgebildeter Diplomatiehistoriker und hat 13 Jahre lang zu Krisen im Kalten Krieg und der amerikanischen Außenpolitik an der Universität Bonn geforscht und gelehrt.