Politik, Gesellschaft
„Daß die Dinge geschehen, ist Nichts: Daß sie gewußt werden ist alles.“ (Egon Fridell)
Hier finden Sie unsere Angebote zur politisch-historischen Bildung. Wir diskutieren mit Ihnen und Experten über die großen Themen der Politik, der Außen- und Sicherheitspolitik und der Zeitgeschichte. Aufgrund der gesellschaftlichen Relevanz dieser Themen, sind unsere Angebote kostenfrei. Und sollten Sie ein Highlight verpasst haben, dann hören Sie doch einmal in unseren Podcast „WeiterDenken“ herein.
Kurse (11)
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Livestream - vhs.wissen live: In der Nähe: Vom politischen Wert einer ostdeutschen Sehnsucht
Wir leben in Zeiten der Entfernung. Die politischen Lager, die großen Machtblöcke der Welt, die Stadt vom Land – alles entfernt sich voneinander. Umso wichtiger wird der Blick aus der Nähe. Wo ist im Zeichen medial befeuerter Selbstgerechtigkeit noch Gemeinschaft möglich?
Der Schriftsteller und Journalist Simon Strauß findet eine überraschende Antwort: in der Kleinstadt. Hier begegnen sich die Menschen als Gegenüber, hier müssen Konflikte ausgetragen und Kompromisse gefunden werden. Hier lernt man die Demokratie noch einmal neu kennen.
Simon Strauß studierte Altertumswissenschaften und Geschichte in Basel, Poitiers und Cambridge. Er ist Mitgründer der Gruppe „Arbeit an Europa". 2017 promovierte er an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er ist Schriftsteller und Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Anmeldeschluss: 13.05.
"Günstige Gelegenheiten" als Grabstätten staatsmännischer Klugheit: Die Suezkrise 1956
Die Suezkrise im Jahr 1956 gilt als die schwerste Nahostkrise in den 1950er Jahren des Kalten Krieges. Nicht nur das. Von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt, brachte sie die NATO an den Rand des Zusammenbruchs und sie veränderte die Machtstrukturen im Nahen Osten für alle Zeiten. Bemerkenswert ist dieses außenpolitische Desaster vor allem deshalb, weil sich diese Krise inmitten der wohl erfahrensten Riege außenpolitischer Staatsmänner der Nachkriegszeit abspielte. Am Beispiel der Suezkrise lässt sich studieren, was passiert, wenn außenpolitische Entscheidungsträger der Versuchung erliegen, komplexe Probleme mit Gewalt zu lösen, weil sie eine „günstige Gelegenheit“ wittern und alle Bedenken in den Wind schlagen.
"One hell of a gamble": Kennedy, Chruschtschow, Castro und die Kubakrise 1962
Während der Kubakrise im Jahr 1962 hielt die ganze Welt den Atem an. In jenen 13 Oktobertagen stand die Welt kurz vor einem Atomkrieg. Weder Kennedy noch Chruschtschow haben diese Konfrontation gewollt und dennoch haben sich beide in dieses außenpolitische Desaster hineinmanövriert. Gegenseitige Fehlwahrnehmungen, falsche Rückschlüsse aus erlebter Geschichte, übersteigerte Rhetorik und letztlich die Neigung, komplexe weltpolitische Probleme auf eine Frage der persönlichen Ehre zur reduzieren, ergaben eine hochexplosive Mischung. Angesichts der Tatsache, dass Fidel Castro die UdSSR auf dem Höhepunkt der Krise zum Nuklearschlag gegen die USA aufforderte und zahlreicher weiterer unvorhergesehenen Zwischenfälle, können wir heute von Glück reden, dass die große Katastrophe ausblieb.
Livestream - vhs.wissen live: Cahokia: Eine präkolumbische indigene Hochkultur in Nordamerika
Lange ging die historische Forschung von der These aus, indigene Hochkulturen hätte es vor der Ankunft der Europäer ausschließlich in Süd- und Mittelamerika gegeben.
Demgegenüber seien nördlich des Rio Grande nur nomadisierende Sammler- und Jägerkulturen vorzufinden gewesen.
Seit den 1990er Jahren hat die archäologische Forschung dieses einseitige und vorurteilsbeladene Bild gründlich revidiert.
Nicht nur im Südwesten der heutigen USA fanden sich die Relikte fortgeschrittener Zivilisationen, die mit dem mesoamerikanischen Kulturraum eng verbunden gewesen waren, sondern auch östlich des Mississippi, wo zwischen 1050 und 1250 die Stadt Cahokia eine umfassende politische, militärische und religiöse Hegemonie ausübte.
Diese erstreckte sich vom Mississippi bis an die Küste des Atlantiks und von den Großen Seen bis an den Golf von Mexiko. In diesem Vortrag soll die Geschichte von Aufstieg und Fall einer indianischen Großmacht vor Kolumbus nachgezeichnet werden.
Michael Hochgeschwender lehrt Nordamerikanische Kulturgeschichte, Empirische Kulturforschung und Kulturanthropologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Anmeldeschluss: 05.06.
Zur weltpolitischen Lage mit Heussen und Freiberger: Brauchen wir in einer Welt des Überflusses neue weltpolitische Spielregeln und Institutionen?
Für viele Menschen steht seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine und der Wiederwahl Donald Trumps das gewohnte Weltbild Kopf. Von einer neuen „Weltunordnung“ (Carlo Masala) und einer „Zeitenwende“ (Olaf Scholz) ist die Rede. Deutschland muss wieder „kriegstüchtig“ (Boris Pistorius) werden und das einstige europäische Erfolgsprojekt, die EU, droht zwischen den Mühlen rechtextremer Kräfte zerrieben zu werden. Auf die einstige Schutzmacht der freien Welt ist kein Verlass mehr, weil sich ein Großteil der Amerikaner nicht mehr für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit interessiert. Wir erleben gerade die Rückkehr imperialistischen Großmachtgehabes. Dieser Rückfall in archaische Handlungsmuster überdeckt in der öffentlichen Debatte jedoch viel tiefgreifendere tektonischen Verschiebungen in der Staatenwelt. Der amerikanische Diplomatiehistoriker Francis J. Gavin, hat diese Verschiebungen in seinem Buch „The Taming of Scarcity and the Problems of Plenty: Rethinking International Relations and American Grand Strategy in A New Era“, skizziert. Heussen, der weltbewanderte ARD-Korrespondenz, und Freiberger, der leidenschaftliche Diplomatiehistoriker, wollen die Thesen des Buches mit Ihnen diskutieren.
Livestream - vhs.wissen live: Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition
„Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt“, schrieb Blaise Pascal bereits im 17. Jahrhundert.
Die Wissenschaft scheute lange die „Herzensgründe“ oder auch Bauchentscheidungen wie der Teufel das Weihwasser.
Aber: Gute Entscheidungen basieren oft auf einer unbewussten Intelligenz, die sehr schnell operiert und gerade in komplexen Situationen faszinierend einfach ist, sicher im Erkennen des Wesentlichen und logischen Abwägungen weit überlegen. Das heutige Wissen über das Bauchgefühl revolutioniert unser Bild vom menschlichen Verstand.
In einer komplizierten Welt lehren uns Entscheidungen „aus dem Bauch“ die Lebenskunst, paradox formuliert, intuitiv zu wissen, was sich nicht zu wissen lohnt.
Gerd Gigerenzer ist ein weltweit renommierter Psychologe, Direktor emeritus am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.
Er hat zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten, u.a. den AAAS Preis für den besten Artikel in den Verhaltenswissenschaften, den Communicator-Preis und den Deutschen Psychologie-Preis.
Anmeldeschluss: 15.06.
Livestream - vhs.wissen live:„Zukunft der industriellen Produktion in Deutschland“
Die industrielle Produktion ist das Rückgrat unseres Wohlstands – doch sie steht massiv unter Druck: Globale Konkurrenz, fragile Lieferketten, geopolitische Krisen und der Klimawandel fordern uns heraus.
Die Frage ist nicht, ob wir unsere Produktion neu denken müssen, sondern wie schnell.
Eine vernetzte Wertschöpfung im Sinne von Industrie 4.0 ist dabei weit mehr als Effizienzsteigerung: Sie ist der Schlüssel zu einer Produktion, die wettbewerbsfähig, resilient, nachhaltig – und damit zukunftsfähig ist.
Björn Sautter wirft einen Blick in die Zukunft der industriellen Wertschöpfung.
Er gibt Einblicke in strategische Überlegungen und Forschungsansätze, die den Weg in eine intelligente und nachhaltige Industrieproduktion in Deutschland weisen und unterfüttert diese mit anschaulichen Beispielen aus der industriellen Praxis.
Björn Sautter ist Senior Expert Industrie 4.0 bei der Festo SE & Co. KG, einem der weltweit führenden deutschen Unternehmen für Automatisierungstechnik und technische Bildung.
Er ist ebenso stellvertretender Industriesprecher des Forschungsbeirats Industrie 4.0.
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) statt.
„A House of Dynamite?“ – Über die Ambivalenzen nuklearer Abschreckung
Eine Kooperation mit dem Krefelder Friedensbündnis
Seit Oktober 2025 ist das hochkarätig besetzte Netflix-Drama „A House of Dynamite“ in aller Munde. In diesem minutiös recherchierten Film lässt Oskar-Regisseurin Kathryn Bigelow die militärischen und politischen Entscheidungsträger in der U.S.-Regierung eine fiktive Nuklearkrise durchlaufen. Schonungslos werden dem Zuschauer die großen Dilemmata der nuklearen Abschreckung vor Augen geführt. Und tatsächlich sind die historischen Lehren und die Logiken der nuklearen Abschreckung keineswegs so eindeutig, wie es einem die sicherheitspolitischen Experten und Politiker gerne weismachen wollen. Darum soll es in diesem Vortrag gehen. Dr. Thomas Freiberger ist ausgebildeter Diplomatiehistoriker und hat 13 Jahre lang zu Krisen im Kalten Krieg und der amerikanischen Außenpolitik an der Universität Bonn geforscht und gelehrt.
Livestream - vhs.wissen live: Musik, Wissenschaft und Technik - eine harmonische Reise durch zwei Jahrhunderte
Im Vortrag wird die harmonische Beziehung zwischen Naturwissenschaftlern, Ingenieuren und Musikern in den letzten beiden Jahrhunderten behandelt.
Wissenschaftler und Ingenieure haben Musikern und Komponisten neue Möglichkeiten der Klangerzeugung und ästhetischen Gestaltung gegeben.
Beispiele sind Wilhelm E. Webers Forschungen zu adiabatischen Phänomenen und kompensierten Orgelpfeifen, Hermann von Helmholtz' Beiträge zur akustischen Resonanz und zum Steinway-Resonanzboden, sowie Friedrich Trautweins Arbeiten zur Radio-Klangtreue und seine Erfindung des Trautoniums.
Thema wird auch die Zusammenarbeit von Physiologen, Physikern und Klavierpädagogen sein, die die Technik des Klavierspiels verbessern wollten.
Myles W. Jackson ist ein US-amerikanischer Wissenschaftshistoriker und derzeit Professor am Institute for Advanced Study, Princeton, sowie u.a. außerordentliches Mitglied der acatech.
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) statt.
Anmeldeschluss: 16.07.
Alles Fake? Deepfakes, KI-Betrug und die Auswirkungen auf die Gesellschaft
Zielgruppe: Dieser Workshop richtet sich an Interessierte, die mehr über Deepfakes, ihre Entstehung und die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf die Gesellschaft erfahren möchten. Besonders geeignet für alle, die sich für digitale Medien, Ethik und Sicherheit interessieren.
Ziel des Workshops: Die Teilnehmenden sollen ein fundiertes Verständnis für Deepfakes entwickeln, deren Risiken und Potenziale verstehen, lernen, wie man sie erkennt, und mehr über die aktuellen Forschungsansätze zur Bekämpfung von Deepfakes erfahren.
Modul 1: Deepfakes und ihre Entstehung
Was sind Deepfakes?: Manipulierte Medien, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz so bearbeitet werden, dass sie realitätsgetreu wirken, aber falsche Informationen vermitteln.
Technologie dahinter: Deepfakes entstehen durch den Einsatz von "Generative Adversarial Networks" (GANs).
Bekannte Beispiele: Deepfake-Videos von prominente Persönlichkeiten oder manipulierter politischer Kommunikation.
Modul 2: Gefahren und Missbrauchspotenzial
Risiken: Desinformation, Betrug, Rufschädigung und die Auswirkungen auf Gesellschaft und Politik.
Gesellschaftliche Auswirkungen: Vertrauensverlust in Medien und politische Polarisierung.
Modul 3: Einsatzmöglichkeiten von Deepfakes
Legitime Nutzung: Filmindustrie, Sprachsynthese für Menschen mit Behinderungen, medizinische Forschung.
Krimineller Missbrauch: Fälschung von Beweisen und Betrug.
Modul 4: Erkennung und Schutzmaßnahmen
Techniken zur Identifikation: Visuelle und Audio-Analyse, digitale Forensik.
Tools zur Erkennung: Deepware Scanner, Microsoft Video Authenticator.
Modul 5: KI als Waffe gegen Fälschungen
Aktuelle Forschung: KI zur Erkennung von Deepfakes, Blockchain-Technologie zur Authentifizierung.
Abschluss und Diskussion
Ausblick auf zukünftige Entwicklungen und offene Fragerunde.
Livestream - vhs.wissen live: Die Wiederkehr der Imperien
In den 1990er Jahren war man allgemein der Auffassung, die Ära der großen Imperien sei zu Ende.
Die europäischen Kolonialimperien waren nach dem Zweiten Weltkrieg zerfallen, und nun war mit der Sowjetunion auch das letzte Imperium verschwunden. Aber im 21. Jahrhundert ist es zu einer Wiederkehr der Imperien gekommen.
China organisiert Einflussgebiete im Rahmen seiner Neue-Seidenstraßenstrategie, Russland stützt sich bei der Rekonstruktion des alten Zarenreichs wesentlich auf militärische Macht, und US-Präsident Trump nutzt in aller Offenheit die Methoden der Erpressung und des Drohens, um Geldflüsse in die USA in Gang zu setzen.
Wie können sich die Europäer, zumal die EU, die kein Imperium ist und auch nicht werden kann, in einer solchen Welt behaupten?"
Herfried Münkler war Professor für Politikwissenschaft an der Berliner Humboldt-Universität. Viele seiner Bücher gelten als Standardwerke.
Er wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Wissenschaftspreis der Aby-Warburg-Stiftung, dem Carl Friedrich von Siemens Fellowship und dem Preis der Leipziger Buchmesse
Frühjahr 2026 (genauer Termin wird Anfang 2026 bekannt gegeben)